Grippe oder grippaler Infekt?

Eine Erkältung wird zwar auch als "grippaler Effekt" bezeichnet, die Unterschiede zu einer echten Grippe (Influenza) gehen aber über die leichte Namensähnlichkeit nicht weit hinaus. Die Unterschiede beginnen bereits bei den Verursachern einer echten Influenza: Hier liegt ein bestimmter Stamm von Viren vor, inzwischen existiert eine Schutzimpfung dagegen. Diese Impfung sollte man jedoch jährlich auffrischen, da sich die Viren in diesem Zeitraum verändern und der Körper entsprechend neue Antikörper bilden muss. Gegen Erkältungen gibt es jedoch keine Impfung und die Grippeschutzimpfung verfügt über keine vorbeugende Wirkung gegenüber grippalen Infekten. Das liegt daran, dass eine Erkältung erstens von anderen Erregern ausgelöst wird und dass es zweitens eine unglaublich große Anzahl infrage kommender Viren gibt. Zwar bilden sich im menschlichen Körper nach der Konfrontation mit einem Erreger Antikörper und bleiben auch eine Weile erhalten. Die Bandbreite von Viren, die eine Erkältung auslösen kann, ist jedoch sehr groß. So kann man auch dann, wenn man noch über Antikörper gegen eine Sorte Erkältungs-Viren verfügt, trotzdem eine weitere Erkältung bekommen, wenn eine andere Sorte Viren der Auslöser ist.

Weitaus offensichtlicher als die unterschiedlichen Ursachen sind die Krankheitsverläufe, die bei Grippe und Erkältungen grundlegend unterschiedlich sind. Erkältungen beginnen im Normalfall schleichend mit ersten Anzeichen wie gelegentlichem Niesen oder einem Kratzen im Hals. Von den allerersten Symptomen bis zum richtigen Ausbruch der Beschwerden kann es noch einige Tage dauern. Auch lassen sich Erkältungen manchmal noch stoppen, wenn man direkt bei den ersten Anzeichen etwas dagegen tut.

Im Gegensatz dazu erwischt einen die Grippe meist ohne Vorwarnung, der Krankheitsbeginn kommt plötzlich und heftig. Von Anfang an hat eine echte Grippe meistens Gliederschmerzen und hohes Fieber im Gepäck. Auch Kopfschmerzen treten bei einer Influenza häufig auf.

Dagegen ist bei einer Erkältung Fieber, vor allem hohes Fieber, seltener. Zwar kann der Körper zur Bekämpfung der Erreger die Temperatur erhöhen, dies verläuft jedoch weniger heftig als bei der Grippe. Auch Kopfschmerzen können bei einer Erkältung zwar vorkommen, sind aber seltener und wenn sie doch auftreten, nicht so stark ausgeprägt wie bei einer Grippe.

Schnupfen, eines der typischen Erkältungssymptome, kommt dagegen bei einer echten Grippe nicht oft vor. Halsschmerzen können sowohl bei einer Grippe als auch bei einer Erkältung zu den Symptomen gehören. Die Grippe ist aber grundsätzlich kräftezehrender, über die Atemwege hinaus kommen meist Glieder- und Muskelschmerzen dazu, Müdigkeit ist bei einer Grippe deutlich ausgeprägter und noch Wochen nach der Infektion kann man sich erschöpft fühlen.

Ob Grippe oder Erkältung, man muss mit der Erkrankung nicht unbedingt zum Arzt. Angeraten ist der Arztbesuch aber zum Beispiel bei Schüttelfrost, hohem Fieber und wenn die Symptome nach ein paar Tagen nicht besser geworden sind. Auch dann, wenn man in der Schwangerschaft erkrankt, ist ein Arztbesuch sinnvoll.

Einige Personengruppen sollten in jedem Fall zum Arzt, dazu gehören Menschen mit einer vorhandenen Grunderkrankung, zum Beispiel Asthma oder Herzerkrankungen, Babys, Kleinkinder und ältere Menschen.

Sowohl gegen Grippe als auch gegen Erkältungen lässt sich vorbeugen. Diese Maßnahmen sind in beiden Fällen ähnlich. Durch viel Bewegung an der frischen Luft und eine gesunde Ernährung mit ausreichend Vitaminen stärkt man das Immunsystem und ist weniger anfällig. Die richtigen Hygienemaßnahmen haben große Wirkung, so sollte man sich regelmäßig gründlich die Hände waschen. Trockene Luft macht die Schleimhäute durchlässiger für Erreger, eine ausreichende Luftfeuchtigkeit schützt daher auch vor Krankheiten. Zu erkrankten Personen sollte man Abstand halten, um sich nicht anzustecken. Außerdem begünstigen auch Stress, Alkohol und Nikotin Krankheiten, wenn man hier auf sich achtet bzw. auf diese Stoffe verzichtet, tut man daher auch etwas zur Vorbeugung gegen Influenza und grippale Infekte.

Als vorbeugende Maßnahme gegen die echte Grippe ist zudem auch eine Impfung möglich. Vor allem wenn man zu den Risikogruppen gehört, sollte man sich rechtzeitig impfen lassen. Dazu gehören unter anderem Schwangere ab dem vierten Monat, Menschen mit viel Kontakt zu anderen, wie beispielsweise Mitarbeiter in Betrieben mit sehr viel Publikumsverkehr. Auch wenn man in Pflegeheimen, Schulen oder Kindergärten arbeitet, ist eine Schutzimpfung ratsam.